Krankheitsbild

Menschen, die an Sozialer Phobie leiden, empfinden eine ausgeprägte und anhaltende Angst in sozialen Situationen – wenn sie mit unbekannten Menschen zusammentreffen – oder in Leistungssituationen – wenn sie von anderen Menschen beurteilt werden könnten. Sie befürchten, Verhaltensweisen oder Symptome zu zeigen, die peinlich oder demütigend sein könnten.

Die Konfrontation mit befürchteten Situationen löst nahezu immer die Angstreaktion aus.

Die Angst kann sich bis zur Panikattacke steigern.

Die Betroffenen erkennen, dass ihre Ängste übertrieben oder gar unbegründet sind.

Gefürchtete Situationen werden von Betroffenen möglichst vermieden oder nur unter intensivem Unbehagen ertragen.

Das Leiden an der Sozialen Phobie, also das starke Unbehagen in gefürchteten Situationen, die ängstliche Erwartungshaltung und das Vermeidungsverhalten, führt zu Beeinträchtigungen in der normalen Lebensführung. Beispielsweise ergeben sich Probleme hinsichtlich der beruflichen (oder schulischen) Leistungsfähigkeit, hinsichtlich sozialer Aktivitäten oder in Beziehungen.

Manchmal erleben Betroffene es als kurzfristig erleichternd, wenn sie Ängste und Unbehagen durch Alkohol oder Medikamente reduzieren können. Hieraus können weitere Probleme entstehen und die zugrunde liegenden Ängste bleiben bestehen.

Ängste, Unbehagen und Vermeidungstendenzen übersteigen deutlich eine leichtere Schüchternheit. Betroffene erleben ein weit höheres Ausmaß an Beeinträchtigungen und an Leidensdruck.

In schwereren Fällen erstrecken sich die Ängste auf sehr viele verschiedene soziale Situationen.

Die Soziale Phobie ist eine vergleichsweise häufige Störung. Zwar variieren die Angaben zur Häufigkeit, es kann aber davon ausgegangen werden, dass bis zu 15% der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben eine Soziale Phobie entwickeln.

Der Verlauf ist ohne Behandlung oftmals chronisch. Die Störung beginnt in der Regel bereits im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter.

Bei manchen Menschen nimmt das Ausmaß der Beeinträchtigungen im Erwachsenenalter ab, wenn es ihnen z.B. gelingt, beruflich und privat belastenden Situationen dauerhaft aus dem Weg zu gehen.

Unbehandelt entwickelt sich aber auch schnell ein Teufelskreis aus Ängsten und Vermeidungsverhalten. Durch Rückzug und Vermeidung werden Ängste und Unsicherheit langfristig verstärkt. Mitbedingt durch ein geringes Ausmaß an sozialen Kontakten und durch anhaltende Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen können psychische Folgeprobleme wie z.B. Depressionen entstehen. Versuche, Angstsymptome durch Alkohol oder Beruhigungsmittel zu dämpfen, können zur Entstehung eines Suchtproblems führen.